Titikaka und die Reise in die Vergangenheit

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Am Mittwoch steige ich um 21.50 Uhr in den Nachtbus der Linie Cruz de Sur und begebe mich auf den bequemen Sitz im Untergeschoß –
Pölsterchen und Deckchen liegen schon für mich bereit. Der Motor geht an und schon startet meine siebenstündige Nachtfahrt in das südlich gelegene, auf 3.800 Meter gelegene Puno am Titikakasee.

Willkommen bei Cruz de Sur
Willkommen bei Cruz de Sur

Was die Frau aus dem Lautsprecher erzählt, verstehe ich nur ansatzweise, doch kurz darauf öffnet sich die Tür und mir wird eine Box mit Schinkensandwich und einer klebrig-violetten Süßspeise gereicht. Zu blöd aber auch, dass ich mir davor ein Alpaca-Steak gegönnt habe.

Ich schalte den Fernseher vor mir an und zappe durch die Programme. Als mich das Filmschauen zu langweilen beginnt, versuche ich einzuschlafen, was allerdings misslingt: Hitze, Rütteln und das laute Surren der Lüftung erlauben es mir nicht, mich in meine REM-Phase zu begeben.

Um 4.30 Uhr kommen wir endlich in Puno an und ich warte übermüdet und hungrig auf meinen Guide, der mir die Schönheit des Titikakasees und seiner Inseln zeigen soll. Doch ich warte…und warte. Nach vier Stunden Warten und Herumtelefonieren mit der Reiseagentur steht plötzlich der Guide vor mir und eskortiert mich ohne große Worte (oder einer Entschuldigung) zum Hafen.

Hopp ins Boot und auf geht’s! Mir bleibt nur, den Ärger über die verlorene Zeit zu schlucken und mich auf die Tour zu freuen…was mit der Ankunft bei den schwimmenden Inseln der Uros auch gelingt: Die rund 70, je 30 m² großen Inseln werden von insgesamt 5.000 Menschen bewohnt. Erbaut wurden sie erstmals, als die Bevölkerung Punos, die Uros, vor den einfallenden Spaniern flüchteten. Die Bauweise der Inseln ist an die natürliche Umgebung angepasst: das Fundament bilden die verwurzelten Erdblöcke der “Khili“, einer Schilfrohrart. Diese werden zusammengebunden. Darüber legen die Uros langes, getrocknetes Schilf in mehren Lagen. Auf dieser Unterlage bauen sie ihre Häuser bzw. Strohhütten. Der Bau einer solchen Insel dauert rund ein Jahr und die Schilf-Unterlage wird regelmäßig aufgestockt, um Feuchtigkeit zu vermeiden. Wir besuchen zwei Inseln, auf einer erhalte ich sogar einen Stempel in meinen Reisepass.

Der Titikaka-See, zur Hälfte in Peru, zur Hälfte in Bolivien
Der Titikaka-See, zur Hälfte in Peru, zur Hälfte in Bolivien

Auf geht's zu den schwimmenden Inseln!
Auf geht’s!

Zoll auf dem Weg zu den Uros
Zoll auf dem Weg zu den Uros

Insel Nr. 1
Insel Nr. 1

Die Bauweise der schwimmenden Inseln
Die Bauweise der schwimmenden Inseln

Für Souvenirs ist gesorgt
Für Souvenirs ist gesorgt

Mein neuer Passstempel
Mein neuer Passstempel

Mit diesem Schiff geht es gleich zur nächsten Insel
Mit diesem Schiff geht es gleich zur nächsten Insel

Wie touristisch diese Inseln bereits sind, merke ich neben den vielen kleinen Verkaufsständen daran, dass uns die traditionell gekleideten Frauen zum Abschied mit Goldkehlchenstimmen besingen: “Vamos a la playa”, “Frêre Jaques” und “My little Pony”. Was sie bloß auf Deutsch singen würden? Vielleicht “Alle meine Entchen”?

Abschiedsgesang für die Touris
Abschiedsgesang für die Touris

Bunte Tücher zum Kaufen
Bunte Tücher zum Kaufen

Auf dem Weg zur nächsten Insel
Auf dem Weg zur nächsten Insel

Sonderbare Gefährte auf dem Weg
Sonderbare Gefährte auf dem Weg

Anschließend besuchen wir nach drei Stunden Fahrt die Insel Amantaní, auf der wir bei Gastfamilien übernachten werden. Im Hafen begrüßen uns hübsch gekleidete Frauen – unsere “Mamas”, die uns gleich nach Hause mitnehmen. Ich wohne gemeinsam mit einer Amerikanerin bei Mama Blanca. Das Haus ist sehr einfach und verfügt wie alle anderen Häuser auf dieser Insel über kein fließendes Wasser. Geduscht wird also erst wieder in zwei Tagen in Cusco.
Zum Mittagessen bekommen wir eine Kartoffelsuppe, danach gekochte Kartoffeln, Oka-Knollen, gegrillten Schafskäse und gekochtes Gemüse. Nicht schlecht! Mama Blanca spricht leider sehr wenig mit uns, vermutlich ist ihre Muttersprache Quechua und ihr Spanisch nur grundlegend.

Mama Blancas Haus
Mama Blancas Haus

Abendessen mit Kartoffeln, Oka-Schiten und gegrilltem Schafskäse
Abendessen mit Kartoffeln, Oka-Schiten und gegrilltem Schafskäse

Um 16 Uhr geht es vom Dorfhauptplatz auf einen Berg, wo sich auf 4.100 Höhenmetern ein Inka-Tempel zu Ehren des Patchatata (so etwas wie der Vater Erde) befindet. Viele Lufthol-Stopps später gelangen wir zum Tempel. Unser Guide drückt uns drei Kokablätter in die Hand und schickt uns dreimal um den Tempel: eine Runde für die Gesundheit, eine für die Liebe und eine für den Wohlstand. Ich mache natürlich mit und werde wenige Minuten später mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt. Immer noch kann ich es nicht glauben, dass es sich hier um einen See und nicht um ein Meer handelt. Hier ein paar Eindrücke:

  • Der Dorfplatz von Amantaní
  • Die Mamas in Reih und Glied
  • Auf dem Weg zum Pachatata-Tempel
  • Aussicht auf Felder und See
  • Makroaufnahme auf dem Weg
  • Ausblick von oben
  • Noch ein Ausblick von oben
  • Der Pachatata-Tempel von Innen
  • Auf dem Rundgang um den Tempel
  • Der Titikaka-Sonnenuntergang
  • Etwas Kitsch vor dem Rückweg

Es wird schnell dunkel und wir eilen den Weg zum Hauptplatz zurück, wo uns unsere Mamas abholen. Doch Mama Blanca ist nicht da. Als schon fast alle gegangen sind, taucht Mama Blancas Mann auf. Wir plaudern ein bisschen (so gut es mein Spanisch zulässt), als plötzlich sein Handy klingelt. Er spricht irgendetwas auf Quechua, legt kurz darauf auf und sagt mir, dass ich die falsche “pasajera” bin. Wir eilen also zum Platz zurück wo aber Mama Blanca immer noch nicht steht. Kein Wunder, denn Mama Blanca heißt eigentlich Mama Sabina, wie ich dort erfahre. Zum Glück kennt der Guide Mama Sabinas Haus und bringt mich hin. Diese ist bereits am Kochen und wundert sich, wo ihr Mann ist…er wartet nämlich auf dem Hauptplatz auf mich.

Ende gut alles gut – wir sitzen zu dritt in der Küche (meine amerikanische Zimmermitbewohnerin bleibt im Bett) und essen Kartoffelsuppe und anschließend Reis mit einer Mischung heimischer Gemüsesorten. Eigentlich ist danach ein Folklore-Tanzabend inklusive Verkleidung für alle Touris geplant, doch ich beschließe mein Schlafdefizit der letzten Nacht sofort auszugleichen und gehe schlafen.

Am nächsten Tag geht es dann auch schon um sieben Uhr mit dem Boot weiter zur Insel Taquile. Dort spazieren wir ein bisschen herum und genießen den tollen Ausblick auf den See. Zum Mittagessen (um 11 Uhr) gibt es – mal wieder – Kartoffelsuppe mit Quinoa und Gemüse, danach köstlich gebratene Titikaka-Forelle. Wäre ich nicht so weit geflogen, würde ich meinen, ich bin in Griechenland oder Sizilien.

  • Ankunft auf Taquile
  • Der erste "Einwohner", den wir antreffen
  • Auf dem Hauptplatz von Taquile - weit weit weg
  • Taquiles kleine Bewohner
  • Guckguck!
  • Stiller Beobachter
  • Hausfassade in der Nähe des Hauptplatzes
  • Schönes Seepanorama
  • Der Torbogen auf dem Weg zum Mittagessen
  • Gemütlicher Mittagstisch...
  • ...mit toller Aussicht
  • Köstliches Mittagessen mit gebratener Forelle (trucha)
  • Verdauungsspaziergang mit toller Aussicht
  • Auf dem Weg zurück zum Schiff
  • Schön ist es hier!

Und noch ein paar weitere Eindrücke:

Cantuta - die Nationalblume Perus
Cantuta – die Nationalblume Perus

Frau beim Weben eines Gürtels
Frau beim Weben eines Gürtels

Frau beim Garnspinnen
Frau beim Garnspinnen

Typischer Torbogen in Taquile
Typischer Torbogen in Taquile

Noch ein hübscher Torbogen
Noch ein hübscher Torbogen

Cantuta mit Einheimischem
Cantuta mit Einheimischem
Entspannungs-Cappuccino im "La Casa del Corregidor" in Puno
Entspannungs-Cappuccino im “La Casa del Corregidor” in Puno

Drei Stunden später erreichen wir Puno, den Startpunkt meines Titikaka-Abenteuers, wo ich die restlichen Stunden mit Spazieren und Essen verbringe – die Stadt gibt leider kaum was her.

Um 22 Uhr fahre ich mit dem Nachtbus zurück nach Cusco. Hoffentlich hat mich der Tag so müde gemacht, dass ich schlafen kann. Was ich bestimmt von dieser Reise mitnehmen werde: Wie viel einfacher und hygienischer gestaltet sich der Alltag mit fließendem Wasser! Das beginnt beim einfachen Händewaschen und endet beim Betätigen der Klospülung – ganz abgesehen vom Geschirr- und Wäschewaschen.

6 Kommentare

  1. Romi sagt: Antworten

    Voi beeindruckend und eine wunderschöne Landschaft
    Noch viele tolle Erlebnisse!!

    1. Anna Tauschitz sagt: Antworten

      Vielen Dank!! 🙂

  2. Christine sagt: Antworten

    Wahnsinn! Bitte noch viele tolle Beiträge bringen.
    Ich mach grad echt das Kontrastprogramm zu dir in den USA. Hier wundere ich mich über drive-trough Apotheken und Bankomaten (wofür?) und verstehe besser unser weltweites Müllproblem: Kann ich bitte zum Frühstück keine Plastikteller, – tassen, – Gläser, – besteck bekommen. Müssen uns dazu austauschen wenn du wieder da bist und dann darfst meine Fotos anschauen 😉 – ich reduziere Anzahl bis dahin.

    1. Anna Tauschitz sagt: Antworten

      Ach spannend! Wie lange seid ihr noch dort und wo genau jetzt gerade? Un beso!!!

  3. Anna Greger sagt: Antworten

    Liebe Anna,
    jetzt sind wir alle neidisch. Tolle Landschaft, wunderscöne Fotos. Wir warten schon auf den nä chsten Bericht.
    Viel liebe Grüsse
    Anne und Ronald

    1. Anna Tauschitz sagt: Antworten

      Hallo und danke! Der nächste kommt ganz bald! 🙂

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