Rendezvous mit dem Regenbogen auf 5.200 Metern

Licht und Schatten wechseln sich ab.

Er wurde erst vor rund zwei Jahren von einem wandernden Gringo entdeckt. Seitdem zählt der Rainbow Mountain bzw. die Montaña de Siete Colores oder auch Vinicunca zu den neuesten Touri-Highlights Perus. Seinen Namen erhielt der Berg aufgrund der bunten Farbschichten, die im Laufe von Millionen von Jahren durch Mineralienablagerungen und Erdbewegungen entstanden sind.

Meinen letzten Tag in Cusco widme ich also diesem bunt gestreiften Berggigpfel auf 5.200 Höhenmetern. Eine neue Herausforderung für meinen Körper, der sich in den letzten fünf Wochen zumindest an die cuscenischen 3.400 m gut gewöhnt hat. Doch wie er sich mit der noch dünneren Luft tun wird, muss ich noch herausfinden.
Um 4.00 Uhr morgens geht es also los. Rund zehn Amauta-Sprachschüler sitzen für drei Stunden (inklusive Frühstückspause) im weißen Kleinbus Richtung Südosten. Es geht über kurvige Straßen mitten in die Berge, vorbei an kleinen Flüssen und Wiesen, auf denen Lamas, Alpacas und Schafe grasen. Immer wieder fällt uns das Atmen etwas schwer – kein Wunder, denn wir befinden uns bereits auf 4.200 Metern.

Auf dem Weg zum Rainbow Mountain
Auf dem Weg zum Rainbow Mountain

...vorbei an grasenden Lamas
…vorbei an grasenden Lamas

Auf 4.600 Höhenmetern bleiben wir neben vielen anderen weißen Kleinbussen voller Wandertouristen stehen. Ab hier geht es nur noch zu Fuß oder für 70 Soles (rund 20 Euro) auf dem Pferd weiter. Ich beschließe den Aufstieg aus eigener Kraft zu meistern. Das erste Viertel des Weges gestaltet sich als recht angenehm, da es meist nur leicht bergauf geht. Der erste steile Anstieg hat es hingegen in sich: Wer zu viel mit seinem Mitwanderer plaudert oder zu hastig den Berg hinaufsteigt, bekommt die dünne Luft bitter zu spüren. Ich beschließe prophylaktisch die offizielle Perudroge einzusetzen: 20 Cocablätter und ein kleines Stückchen Stein aus gepresster Pflanzenasche (dieses dient dazu, die Cocawirkstoffe besser aufzunehmen) werden zusammengerollt, in den Mund gesteckt und gekaut. Sobald das Cocagemisch schön breiig ist, wird es in eine Backe geschoben und bleibt dort, bis es so ekelhaft schmeckt (oder zerfällt), dass man es so schnell wie möglich ausspuckt.

Wir sind nicht die Ersten.
Wir sind nicht die Ersten.

Aussicht auf die umliegenden Berge
Aussicht auf die umliegenden Berge

Noch das Bächlein überqueren...
Noch das Bächlein überqueren…

Neugierige Blicke
Neugierige Blicke

Vor dem Aufstieg wird noch zu Pachamama gebetet.
Vor dem Aufstieg wird noch zu Pachamama gebetet.

Und auf geht's!
Und auf geht’s!

Es geht wieder angenehm – da flach – weiter, vorbei an grünen Wiesen und bunten Bergen in Rost-, Grau- und Grünschattierungen. Hin und wieder blitzen auch schneebedeckte Gipfel hervor und ein paar kleine Hagelschauer kündigen die kalte Höhe an. Alle fünf Minuten traben ein paar Pferde mit mehr oder weniger agilen Touristen auf ihrem Rücken vorbei. Durch scharfes Zähnezischen und flüchtige Gertenschläge auf den Pferdeoberschenkel weisen die Besitzer ihre Tiere bei trotzigem Verhalten zurecht. Auf steileren Wegen beginnen selbst die Pferde zu schnaufen – bis die Touristen vom Pferderücken gebeten werden, damit die Tiere die schwierigsten Stücke lastfrei zurücklegen können.

Auf der einen Seite warten die Pferde...
Auf der einen Seite warten die Pferde…

...auf der anderen Seite ihre Besitzer
…auf der anderen Seite ihre Besitzer

Diese sehen besonders kuschlig aus.
Diese sehen besonders kuschlig aus.

Noch ist der Weg schön flach.
Noch ist der Weg schön flach.

Vorbote der Farbenvielfalt
Vorbote der Farbenvielfalt

Hier geht's weiter.
Hier geht’s weiter.

Schneebedeckte Gipfel in der Ferne
Schneebedeckte Gipfel in der Ferne

Rostbraun ist hier ganz oft vertreten.
Rostbraun ist hier ganz oft vertreten.

Eines der fleißigen Pferde
Eines der fleißigen Pferde

Doch nicht alle sind begeistert.
Doch nicht alle sind begeistert.
Es wird immer bunter.
Es wird immer bunter.

Nach rund drei Stunden erreichen wir schließlich den unteren Teil des berühmten Berges. Meine anfangs leichten Kopfschmerzen verstärken sich hier auf 5.000 Metern noch mehr. Doch jetzt ist es nicht mehr weit bis zur Spitze. Der Weg führt seitlich entlang des regenbogenfarbenenen Gesteins. Die Farben sind recht fahl – das liegt einerseits am bewölkten Himmel und andererseits an den massiv bearbeiteten Fotos der Reiseagenturen, die bei den Touristen eine andere Erwartung wecken.

Viel lässt diese Seite des Berges noch nicht erahnen.
Viel lässt diese Seite des Berges noch nicht erahnen.

...dann wird es immer bunter
…dann wird es immer bunter
Der Weg zur gegenüberliegenden Bergspitze
Der Weg zur gegenüberliegenden Bergspitze

Ich schleppe mich den letzten, steilsten Weg zum Gipfel des gegenüberliegenden Berges hinauf, wo bereits Unmengen an Touristen stehen und Fotos machen. Die Motivation ist groß, doch für einen Moment rebelliert mein Körper und mir wird schwarz vor Augen. Ein Schluck Wasser, kurz hinsetzen, und weiter geht’s.

Nun stehe ich auf der Bergspitze und plötzlich bildet sich ein Loch in der Wolkenschicht und die Sonne strahlt direkt auf den Regenbogen-Gipfel. Ich betrachte die wundervollen Farben: Ocker, Türkis, Rostbraun, Hellgrün, Grau und Dunkelgrün. Ich genieße diesen wundervollen Moment und bin stolz auf die erfolgreiche Gipfelbesteigung.

Der Rainbow Mountain in voller Pracht
Der Rainbow Mountain in voller Pracht
Rainbow Mountain mit Tal
Rainbow Mountain mit Tal

Geschafft!
Geschafft!

Die stolze Gruppe
Die stolze Gruppe

Selfie mit dem Rainbow Mountain ;-)
Selfie mit dem Rainbow Mountain 😉

Licht und Schatten wechseln sich ab.
Licht und Schatten wechseln sich ab.

Viele Fotos später geht es wieder zurück Richtung Bus. Wir lassen den magischen Rainbow Mountain hinter uns und pünktlich zur Mittagszeit zieht eine düstere Regenwolke auf. Der Rückweg gestaltet sich als äußerst langwierig, vermutlich weil wir alle ziemlich erschöpft sind. Als wir endlich beim Bus ankommen, beginnt es zu regnen – Glück gehabt!

Auf dem Rückweg - in den Bergen schneit es.
Auf dem Rückweg – in den Bergen schneit es.

Nach einem mehr als notwendigen, späten Mittagessen starten wir unsere Rückfahrt nach Cusco. So ziemlich allen brummt der Schädel von den 5.200 Metern, doch die Freude und Müdigkeit übertreffen die Kopfschmerzen.

Zurück in Cusco heißt es für mich Rucksack packen, denn in zwei Stunden fahre ich mit dem Nachtbus nach Arequipa. Mein fünfwöchiger Aufenthalt in Cusco ist damit beendet. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke ich dieser wunderbaren Stadt nach. Ich habe hier tolle Menschen kennengelernt, viel erlebt und jede Menge gelernt. Gleichzeitig freue ich mich aber auf meine nächsten Abenteuer in Arequipa und dem berühmten Colca Canyon.

Schreibe einen Kommentar