Mit Affen, Moskitos und Zipline durch den Amazonas

Die Zipline ins Grün der Baumkronen

Der Blick aus dem Flugzeug ist gewaltig – so anders als die gebirgige, karge Landschaft der Anden. Rund 450 km östlich von Cusco entfernt strahlt mir sattes Grün entgegen, unterbrochen von vielzähligen Mäandern. Mich erwarten drei Tage Tropenwald in der Region des Tambopata-Nationalparks.

Blick aus dem Flugzeug
Blick aus dem Flugzeug

Nach einer 45-minütigen Bootsfahrt auf dem Río Madre de Dios komme ich in der Monte Amazónico Lodge an. Die Luft ist schwül und erfüllt von Vogelgesängen, die ich noch nie gehört habe. Besonders lustig klingt der Montezumastirnvogel, ein schwarz gefiedertes Tier mit gelben Schwanzfedern: Alle 30 Sekunden ertönt ein glucksendes Geräusch, als ob dicke Wassertropfen in ein volles Becken fallen.

Ein Pfad durch ein Waldstück und vorbei an vereinzelten Holzhäuschen führt mich zum Herzstück der Lodge – dem große Speise- und Aufenthaltsraum. Die Fenster bestehen hier nicht aus Glas, sondern aus Fliegengitter. Ist ja auch mit 30 Grad warm genug hier. Gleich geht es zum Mittagessen: gegrilltes Gemüse als Vorspeise, in ein Bananenblatt eingewickeltes Hühnchen mit Reis und Gemüse (auch “Juane” genannt) als Hauptspeise und Melone zum Nachtisch.

Auf dem Weg zur Lodge
Auf dem Weg zur Lodge

Anlegestelle der Monte Amazónico Lodge
Anlegestelle der Monte Amazónico Lodge

Weg zur Lodge
Weg zur Lodge

Das Hauptgebäude (rechts) mit dem Zimmern (links)
Das Hauptgebäude (rechts) mit dem Zimmern (links)

Bootsanlegestelle von oben
Bootsanlegestelle von oben

Köstliches Mittagessen
Köstliches Mittagessen
Entspannungsversprechende Veranda vor den Zimmern
Entspannungsversprechende Veranda vor den Zimmern

Kurz darauf startet meine erste Tour mit acht Personen aus Peru, Deutschland und Brasilien. David, unser Guide, fährt mit uns zur Affeninsel. Dort lebt ein einzelnes Totenkopfäffchen und eine Familie Kapuzineraffen. Diese ist die menschlichen Besucher gewöhnt, schließlich bekommt sie regelmäßig von ihnen frisches Obst spendiert. Erst raschelt es in den hohen Baumkronen, dann turnen immer mehr Affen über unseren Köpfen. Als wir an eine kleine Lichtung gelangen, schwingen sich die Affen zu uns hinunter und David verteilt die Obststücke. Die mutigsten und naivsten Familienmitglieder trauen sich zuerst an den Obstsack, bis schließlich das Oberhaupt, der “Macho”, herbeieilt und sich so viele Bananenstücke wie nur möglich einheimst. Ein wildes Herumgezanke um das Futter spielt sich über unseren Köpfen ab, bis der Obstsack schlussendlich leer ist und wir von dannen ziehen. Das Totenkopfäffchen beobachtet uns aus sicherer Entfernung in den Baumkronen – so als wolle es sich vergewissern, dass wir auch ja verschwinden.

  • Auf der Affeninsel
  • Es geht in den Wald hinein
  • Das Totenkopfäffchen beobachtet uns aus sicherer Distanz.
  • Die ersten Kapuzineraffen tauchen auf...
  • ...und schauen neugierig, was es gibt.
  • Der Run um die Früchte beginnt.
  • Auch der Macho erblickt das Fressgelage.
  • ...und greift sofort zu.
  • Dieser Affe hat eine Banane ergattert.
  • Schmeckt.
  • Auch der Kleinste bekommt was ab.
  • Nach dem Festmahl gibt es Pflege...
  • ...und Entspannung

Zurück in der Lodge geht es für mich und ein paar andere Mädels aus der Gruppe zum Landungssteg der Boote. Von dort aus genießen wir den spektakulären Sonnenuntergang:

Sonnenuntergang am Río Madre de Dios
Sonnenuntergang am Río Madre de Dios
Ein Boot schippert vorbei
Ein Boot schippert vorbei

Gegen 18 Uhr startet unsere erste Nachttour: Mit dem Boot wollen wir die nachtaktiven Kaimane beobachten. Die krokodilähnlichen Tiere liegen oft direkt am Ufer oder jagen im Wasser nach Fischen. Mit einer Taschenlampe zeigt uns David die Tiere – heute trauen sich wohl nur die rund einen Meter langen Jungtiere ans Wasser (Fotos gibts leider keine). Eine Stunde später sitzen wir bereits beim Abendessen, danach eile ich in mein Zimmer, um mich zu duschen, denn um 21 Uhr wird der Strom und damit auch das Licht ausgeschaltet. Das Wasser ist kalt, was aber nicht viel ausmacht, denn hier hat es nachts immer noch 25 Grad – eine schöne Abwechslung zu den kalten Nächten in Cusco.

Vorbesprechung der Tour
Vorbesprechung der Tour

Samstag, 04.00 Uhr: Mein Wecker klingelt und nach einem kurzen Frühstück stehen wir um 05.00 Uhr an der Bootshaltestelle. Heute geht es zum Lago Sandoval, einem See mitten im Nationalpark. Die Bootsfahrt dauert nur 15 Minuten, der Weg zum See hingegen zwei Stunden. Da es bis zur Abfahrt in Strömen geregnet hat, sind wir jetzt mit wasserdichten und etwas unbequemen Regenstiefeln unterwegs. Auf dem Weg durch den Regenwald zeigt uns David die Flora und Fauna des Tropenwaldes: Papageien, Brüllaffen, Schildkröten, Blattschneider-Ameisen und riesige, lianenumschlungene Bäume sind nur einige Beispiele.

Dann geht es mit einem Boot auf den See. Unser Ziel: möglichst viele Tiere zu entdecken. Das gelingt uns recht gut: Zahlreiche Wasservögel wie Kormorane, Reiher und Hoatzine bzw. Asthmavögel (ihr “Gesang” hört sich wie ein Asthmaanfall an) zeigen sich von ihrer besten Seite. Das Highlight ist – neben der Sichtung eines ausgewachsenen Kaimans – eine achtköpfige Riesenotter-Familie auf Fischjagd. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht, nachdem ihr Fell lange Zeit als modisches Accessoire genutzt wurde.

  • Unser Boot
  • Es kann losgehen
  • Kormorane
  • Kormorane aus der Nähe
  • Lago Sandoval
  • Schlangenreiher
  • Schlangenreiher - noch prächtiger
  • Kaiman auf der Jagd
  • Hoatzin
  • Riesenotter auf der Jagd

Nach einer kurzen Pause am See geht es wieder den selben Weg zurück zu unserer Lodge. Der Nachmittag ist frei, also genehmige ich mir ein erfrischendes Bad im Pool der Lodge und lege mich nach dem Mittagessen für ein Nickerchen in die Hängematte auf der Veranda. Die vielen Vogelstimmen singen mich schnell in den Schlaf. Urlaubsgefühl kommt auf.

Entspannung pur in der Hängematte
Entspannung pur in der Hängematte

Um 18.30 treffe ich – ausgestattet mit Taschenlampe, Moskitospray und Regenponcho (für den Fall eines weiteren Sintflutregens) – meine Gruppe vor dem Hauptgebäude. Diesmal geht es für eine einstündige Tour durch den nächtlichen Regenwald. Hier werden wir erfahren, welchen großen Insekten wir unter, über oder neben unserem Bett begegnen könnten. Ich freue mich sehr (das ist ironisch gemeint).

Auf unserem Weg durch den finsteren Dschungel begegnen wir v.a. jeder Menge Spinnen – z.B. der Pink Toe Tarantula (ausgewachsene Tiere werden handtellergroß, ihre Bisse sind aber für den Menschen ungefährlich) und der Chicken Tarantula (auch ein ordentlich behaartes Geschöpf, das angeblich sogar Hühnereier durchbeißt und den Inhalt verspeist). Es geht weiter mit riesigen Heuschrecken, Fledermäusen, Kakerlaken und den sogenannten Bullet Ants: großen Ameisen, deren Biss u.a. Fieber und lokale Lähmungen beim Menschen verursachen kann. Treue Begleiter sind wie auch tagsüber die unzähligen Moskitos, doch dank meiner Chemiekeule “Nobite” (für Kleidung und Haut) überlebe ich meinen Aufenthalt im Regenwald mit nur drei Stichen.
Am Ende unserer gruseligen Nachttour ist die Erleichterung aller Teilnehmenden spürbar. Nach dem üppigen Abendessen ist jedoch der Gedanke an die Vogelspinnen im eigenen Zimmer mehr oder weniger vergangen.

Nach einem sehr erholsamen Schlaf (auch die zirpenden Geräusche der Nacht sind äußerst entspannend) steht am nächsten Morgen mein letzter Programmpunkt an, bevor es wieder zurück nach Cusco geht: ein Spaziergang durch die Baumkronen mit anschließendem Ziplining. Ich werde vom Lodge-Besitzer persönlich begleitet und erfahre, dass der studierte Jurist seine Jobaussichten als Politiker auf den Nagel hing und die Lodge, die er als Student mitaufgebaut hatte, vor ein paar Jahren übernahm. Hier fühlt er sich pudelwohl und genießt die Zeit mit den Touristen, obwohl er kein Englisch kann. Vielleicht würde dieser Wandel auch vielen aktiven Politikern gut tun…

Hier geht es gleich hoch
Hier geht es gleich hoch

Brücke zur nächsten Plattform
Brücke zur nächsten Plattform

Schwindelige Höhe
Schwindelige Höhe

Grün, wo auch immer ich hinschaue
Grün, wo auch immer ich hinschaue

Wir klettern zur ersten Pattform hoch, wo ich mit der nötigen Ausrüstung für ein sicheres Herumklettern und -hängen in schwindeliger Höhe ausgestattet werde. Dann geht es für mich mit Karacho die Zipline entlang, ich sause durch die Baumkronen und lande kurz darauf auf der nächsten Plattform – der pure Adrenalinkick! Wahrscheinlich wundern sich die Aras in der nächsten Baumkrone, welcher komische Vogel juchzend durch die Luft fliegt. Über zwei wackelige Hängebrücken geht es weiter zu den nächsten Plattformen. Ein tolles Gefühl den Regenwald aus der Vogel- bzw. Affenperspektive zu bewundern.

Die Zipline ins Grün der Baumkronen
Die Zipline ins Grün der Baumkronen

Tolle Aussicht
Tolle Aussicht

Schritt für Schritt zum Ziel
Schritt für Schritt zum Ziel

Pinker Farbtupfen im Grünen
Pinker Farbtupfen im Grünen

Nach einem köstlichen Frühstück mit knusprigen Süßkartoffelchips und frischem Obstsalat geht es zum Flughafen. Dort wird mein gesamtes Gepäck kontrolliert, damit ich keine gasgefüllten und entflammbaren Gegenstände mitnehme – schließlich geht es jetzt von 200 Metern zurück auf 3.400 Meter. Das hält nicht jede Druckflasche und scheinbar auch nicht der Akku des neuen Samsung Galaxy S7 aus.

Zurück in Cusco wird erstmal geduscht und Kleidung gewaschen, um auch die letzten kleinen Insekten und v.a. die dicke Schicht Sonnencreme und Insektenspray loszuwerden. Zwei Tage bleibe ich hier, dann startet mein letzter großer Ausflug von Cusco aus – der viertägige Inka Jungle Trail zu Machu Picchu.

6 Kommentare

  1. Bylle sagt: Antworten

    Querida Anna! Apprendo espanol también – desde hace dos anos. Me gustan mucho tus fotos y el texto que escribiste! Fue en Peru también hace unos anos pero no fue en una zipline. Respeto! Quizas a veces podemos escribir correos electronicos en espanol para practicar juntos 🙂 Creo que vas a hablar muy bueno dentro de poco! Buen viaje! Saludos, Bylle

    1. Anna Tauschitz sagt: Antworten

      Aaaaaah gracias Bylle!!! 🙂 Donde en Peru fuiste??? Es un país muy bonito, me gusta mucho! Un grande beso y me gustaría mucho escribir contigo. Un abrazo!!!

  2. Anna Greger sagt: Antworten

    Hallo Anna! Soviel satte,verschiedene Grüntöne habe ich noch nie gesehen.Es ist eine Pracht.Bei uns beginnt der bunte Herbst.Wunderschöne Bilder! Vorallem die herrlichen exotischen Vögel schaue ich mir gerne öfters an. Weiter so! Herzliche Grüsse aus Pliening

    1. Anna Tauschitz sagt: Antworten

      Vielen Dank! Es ist wirklich eine Farbenpracht! 🙂

  3. Judith sagt: Antworten

    Toll geschrieben! Man fühlt sich als würde man die Reise mit dir erleben!
    Weiterhin viel Spaß bei deinen zahlreichen und mutigen Abenteuern!:-)
    Liebe Grüße aus Köln,
    Judith

    1. Anna Tauschitz sagt: Antworten

      Danke meine liebe!!! 🙂

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