Inka Jungle Trek II – Vom Regenwald ins Thermalbad

Schöne Flussidylle

Es ist 2.00 Uhr nachts und ich wache von einem lauten Prasseln auf. Es regnet heftig und das Blechdach unserers Zimmers verstärkt das Geräusch um ein Vielfaches. Schade um den geopferten Schlangen-Tequila, denke ich mir, und versuche weiterzuschlafen. Doch der Regen wird immer stärker und ich frage mich, wie wir bei so einem Wetter wandern sollen. Genau der zweite Tag ist für rund sieben Stunden dem Wandern gewidmet. Immerhin habe ich meine dünne Wetterjacke und einen Poncho dabei.

Bonjour, tristesse
Bonjour, tristesse

Gegen 7.00 Uhr lässt der Regen leicht nach, doch die dunklen Wolken haben sich zwischen den Bergen verfangen und spielen jetzt Ringelrei. Es gibt Frühstück in Form von Omelette, Brot, Butter und Marmelade. Auf unseren Wunsch haben die Besitzer der Eco-Lodge noch eine Spezialität für uns vorbereitet: Cuy bzw. Meerschweinchen. In den Anden leben die Tiere direkt in der Küche und laufen dort frei herum. Denn nachts kühlt es auf bis zu null Grad herunter, die Meerschweinchen brauchen es aber schön warm. So sitzen rund 20 Meerschweinchen unter dem wärmenden Ofen, während direkt über ihnen eines stundenlang gebraten wird. Kein schöner Gedanke.

Zu fünft sitzen wir etwas später am Tisch und teilen uns das von Willy gebratene Meerschweinchen. Das heißt: Jeder bekommt gerade mal zwei Bissen von dem kleinen Tier, was aber angesichts der Tageszeit und des Anblicks des Tierchens vollkommen ausreicht: Gebratene, gebackene oder gekochte Meerschweinchen werden komplett, also mit Kopf, Zähnen und Krallen serviert. Nicht unbedingt einladend. Dazu gibt es Kartoffeln, Reis und/oder Salat. Der Cuy-Geschmack erinnert an Hühnchen mit einem leicht säuerlichen Eigengeschmack. Ob das am Fleisch oder an den zugefügten Kräutern liegt, kann ich nicht herausschmecken.

Omelette zum Frühstück
Omelette zum Frühstück

Willy bratet unser Frühstücks-Cuy
Willy bratet unser Frühstücks-Cuy

Gebratenes Cuy mit weißen Kartoffeln (zum Frühstück)
Gebratenes Cuy mit weißen Kartoffeln (zum Frühstück)

Hier wird auch gefrühstückt
Hier wird auch gefrühstückt

Noch mehr Vögel naschen an der Banane
Noch mehr Vögel naschen an der Banane

Der hübsche Sonnenschein der Lodge-Besitzer
Der hübsche Sonnenschein der Lodge-Besitzer

Gestärkt ziehen wir sodann los in den verregneten Tag. Zeitweise schützen uns die großen Baumblätter vor der kompletten Durchnässung. Unter meiner Wetterjacke und meinem Poncho herrscht bereits ein eigenes Mikroklima mit saunaähnlichen Bedingungen. Der Weg führt uns einen wunderschönen Gebirgspfad entlang, auf dem es rechts steil bergauf und links steil bergab geht. Nochmal bitten wir Pachamama um gutes Wetter, indem jeder von uns drei Cocablätter in die Luft hält, seine Bitte ausspricht und die Blätter anschließend kaut (ganz nebenbei haben die Blätter eine belebende Wirkung).

Rechts steil bergauf, links steil bergab
Rechts steil bergauf, links steil bergab

Regenfest mit integrierter Sauna
Regenfest mit integrierter Sauna

Blick auf den Fluss Urubamba
Blick auf den Fluss Urubamba

Die mehr oder weniger wetterfeste Gruppe betet zu Pachamama
Die mehr oder weniger wetterfeste Gruppe betet zu Pachamama
Der Nebel hält sich hartnäckig
Der Nebel hält sich hartnäckig

Von den steinigen Klippen geht es weiter ins Grün, vorbei an kleinen Kaffee-, Ananas- und Cocaplantagen. Willy pflückt ein paar kleine, rote Früchte, bricht sie auf und streicht mit einem Wattestäbchen rotes Pulver heraus. Es handelt sich um “Achiote” bzw. die Frucht des Annattostrauchs. Sie dient auch als natürlicher Schutz gegen Moskitos und wird zum Färben benutzt. Dann malt Willy jedem Einzelnen von uns ein paar hübsche Symbole ins Gesicht. Ich bekomme drei Cocablätter auf die Stirn. Nach erfolgter Bemalung haben wir alle eine gute Farbe im Gesicht.

Ananasplantage
Ananasplantage

Sehen schon recht gut aus
Sehen schon recht gut aus

Eindeutig reif!
Eindeutig reif!

Achiote
Achiote

Willy beim Bemalen
Willy beim Bemalen

Die Rotgesichter
Die Rotgesichter

Der Weg führt nun bergab ins Tal und schließlich erhört uns Pachamama: Gegen Mittag schaffen es die Wolken langsam aber stetig über die Bergspitzen und überlassen der Sonne ihren Platz. Nach einem entspannten und ausgedehnten Mittagessen setzen wir unsere Wanderung fort: Diesmal geht es den Urubamba-Fluss entlang, auf dem wir tags zuvor wild herumgeraftet sind. Eine komplett veränderte Vegetation erwartet uns: hohe Schilfhalme, Kieswege und der große Fluss an unserer Seite. Einzig die lauten Zikadengeräusche bleiben weiterhin treue Begleiter.

Wunderschöne Blumen auf dem Weg
Wunderschöne Blumen auf dem Weg

Farbenpracht pur
Farbenpracht pur

Es geht den Urubamba entlang
Es geht den Urubamba entlang

Kaltes, klares Wasser aus den Bergen
Kaltes, klares Wasser aus den Bergen

Brücke mit Lücke
Brücke mit Lücke

Weiter am Kiesufer entlang
Weiter am Kiesufer entlang

Willy gewinnt hingegen immer mehr an Selbstbewusstein und beginnt allen weiblichen Gruppenmitgliedern unabhängig voneinander seine Zuneigung zu äußern. Wie schön wir doch alle sind! Anscheinend sucht er noch eine “novia” in Europa und den USA – sie könnte ihm später mal helfen, wenn er neue Kunden für seine (noch aufzubauende) Reiseagentur sucht. Klar, total praktisch! Aber ob das die passende Taktik ist?

Irgendwo am Flussufer erreichen wir schließlich eine Art Sessellift, er ist der einzige Weg, um über den Fluss zu kommen. Zu zweit setzen wir uns also auf der klapprige Gestell und werden mit lautem Geratter über den Urubamba gezogen – ein kleiner Vorgeschmack für das Ziplining am nächsten Tag. Nun sind es nur noch wenige Meter bis zu unserem nächsten Ziel – den Thermalbädern von Cocalmayo.

Schöne Flussidylle
Schöne Flussidylle

"Kleine" Besucher auf dem Weg
“Kleine” Besucher auf dem Weg

Farbenpracht am Fluss
Farbenpracht am Fluss

Der Sessellift über den Fluss
Der Sessellift über den Fluss
Wer traut sich?
Wer traut sich?

Freude kommt auf, als wir uns unserer Wanderschuhe entledigen und mit Höchstgeschwindigkeit in eines der warmen Wasserbecken hüpfen. Der Weg muss schnell zurückgelegt werden, denn hier wimmelt es nur so von Moskitos, die sich an der Hülle und Fülle an Touristen erfreuen. Wir lassen uns im Wasser treiben und genießen die entspannende Wärme. Nach rund zwei Stunden fahren wir mit einem Bus in den nächstgelegenen Ort Santa Teresa, wo wir die Nacht verbringen werden.

Entspannungsversprechende Thermalbäder
Entspannungsversprechende Thermalbäder

Im Hostel schließen sich uns drei Französinnen und zwei Brasilianer an. Nach dem Abendessen (“Trucha frita” bzw. gebratene Forelle ist hier die Spezialität) hält Willy eine Überraschung für die nun zehnköpfige Gruppe bereit: Wir gehen in einen Club. Freude kommt auf. Was wir zu dieser Zeit noch wissen: Der Club ist allein für uns reserviert. Zu zehnt betreten wir also den Gringo-Club und nutzen erstmal den “free drink” an der Bar – starker Cuba Libre. Es dauert nicht lange und schon beginnen die ersten zu Salsa und älteren wie neueren Hits von Zuhause zu tanzen. Die Stimmung ist ausgelassen und Willy verpasst nicht die Gelegenheit, mit jedem Mädel mindestens einmal zu tanzen.

Gegen 3.00 Uhr geht es ab ins Bett – in der Hoffnung, dass das Ziplining am nächsten Tag den Magen nicht allzu sehr durchschütteln wird.

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