Inka Jungle Trek I – Das Abenteuer beginnt

Die knallorange Helmchengruppe

Donnerstag, 6.00 Uhr morgens: Mit einem voll gepackten Tagesrucksack geht es raus aus der Tür der Amauta-Sprachschule und rein in den Kleinbus. Vier Tage Abenteuer erwarten mich auf dem Inka Jungle Trek: Mit Mountainbiking, Rafting, Ziplining und Wanderungen durch den gebirgigen Dschungel sollte dieser Trip eines meiner persönlichen Highlights in Peru werden. Den krönenden Abschluss bildet der Besuch der Inka-Stadt Machu Picchu.

Anmerkung: Um meinen Bericht über diesen recht langen Trip etwas leserfreundlicher zu gestalten, gibt es für jeden Tag einen Artikel. Hier der Link zum offiziellen Programm vom Reiseveranstalter CondeTravel.

Nun sitze ich also in dem Kleinbus gemeinsam mit zwei deutschen (Lebens-) Künstlern, einer vom Job pausierenden Amerikanerin und einer frisch studierten Engländerin. Ergänzt wird unsere Gruppe durch Willy, unseren – sagen wir mal – speziellen Guide. Die erste Frage, die Willy während der Fahrt an uns stellt: Wer ist hier Single und wer hat wie viele “novios” bzw. “novias” (also Freund/-in bzw. Liebhaber) in seinem Land? Willy scheint mindestens drei novias zu haben: in seinem Heimatort Saqsayhuaman und in zwei weiteren Orten, die wir auf unserem Trail passieren werden – ziemlich praktisch, meint er.

Mit dem Bus geht es erstmal hoch in die Berge hinauf. Von den cuscenischen 3.400 Metern fahren wir zum Gebirgspass Abra Malaga auf 4.350 Meter. Dort angekommen genießen wir die Aussicht auf die noch höheren, schneebedeckten Berge und laden die Mountainsbikes vom Bus. Wir werden mit Helm, Schutzjacke, Signaljacke und Handschuhen ausgestattet. Das Equipment hilft nicht nur im Falle eines Sturzes, sondern schützt auch gegen die eisige Luft. In meiner vollen Montur fühle ich mich wie eine echte Mountainbikerin, bereit für die kühne Abfahrt.

Auf dem Weg zum Abra Malaga-Pass
Auf dem Weg zum Abra Malaga-Pass

Der Blick nach oben
Der Blick nach oben

Unsere Drahtesel
Unsere Drahtesel

Bereit zur Abfahrt
Bereit zur Abfahrt

Super Outfit
Super Outfit

Die knallorange Helmchengruppe
Die knallorange Helmchengruppe

Die knallorange Helmchengruppe setzt sich in Bewegung, es geht die Asphaltstraße hinab. Kurven über Kurven, dazwischen eine herrliche Aussicht auf das Gebirge und das darunter liegende Tal. Die eisige Luft weht mir ins Gesicht, doch schon nach kurzer Zeit wird es wärmer. Wir machen einen Aussichts- und Umziehstopp. Die Sonne knallt auf unsere blanken Helme. Es geht die Asphaltstraße weiter bergab –  nach und nach wird es eintönig. Zwei Stunden lang mit dem Mountainbike auf der kurvigen Asphaltstraße ist dann doch nicht mein Highlight, v.a. wenn immer wieder LKWs hupend an uns vorbeiziehen.

Kurvenreiche Straße durchs Gebirge
Kurvenreiche Straße durchs Gebirge

Es geht bergab.
Es geht bergab.

Lustig wird es allerdings im unteren Teil: Hier schlängeln sich immer wieder kleinere oder größere Flussläufe direkt über die Fahrbahn Richtung Tal. Mit hohem Tempo und hochgezogenen Beinen zischen wir durch das ca. zehn Zentimeter tiefe Wasser. Ein-, zwei-, sechsmal – bis unsere Hintern nass sind. Kein Problem, denn bald darauf kommen wir auch schon in unserem Mittagslokal in Huamanmarka an und die warme Luft trocknet die nasse wie auch verschwitzte Kleidung. Verschwitzt, denn die letzten 30 Minuten mussten wir dann doch ziemlich strampeln, der starke Gegenwind tat sein Übriges.

Tolle Aussicht auf dem Weg
Tolle Aussicht auf dem Weg

Nach einer ausgiebigen Pause geht es mit dem Bus weiter nach Santa Maria. Dort erwartet uns schon unser Raftingboot. Wir erhalten neben den Kommandos eine umfangreihe Sicherheits-Einweisung (Was mache ich, wenn ich oder jemand anderer aus dem Boot fällt? Wie verhalte ich mich, wenn das gesamte Boot umkippt?). Viel Theorie, die im Notfall wahrscheinlich von kaum jemandem richtig umgesetzt wird.

Der Fluss Urubamba
Der Fluss Urubamba

Was jedoch in diesen 20 Minuten die wohl einprägendste Lehre für mich ist: Im Gegensatz zu den mitteleuropäischen Gelsen bzw. Mücken sehen die Moskitos hier wie kleine schwarze Fliegen aus, die weder unangenehm summen noch beim Stechen spürbar sind. Scheinbar sind diese kleinen, gemeinen Tierchen auch noch so intelligent, dass sie sich v.a. in der Fuß- und Unterschenkelgegend niederlassen – wo also eine erschlagende Hand nicht schnell genug hinkommt. Das Dilemma bemerke ich erst, als meine Beine bereits mit roten Punkten übersät sind und allmählich zu jucken beginnen.

Erstmal egal, denn nun geht es endlich ab ins Boot, und bei Schwierigkeitsgrad 3 (von 5) schwappen, schaukeln, drehen und springen wir über die Wellen und Wirbel des Urubamba-Flusses. Manchmal fühlt es sich an wie in einer Achterbahn, bis sich eine Welle über uns aufbäumt und wir kurz darauf in einem rasenden Planschbecken sitzen. Ich sage nur: Adrenalin pur und jede Menge Spaß! Einige Meter von uns entfernt fährt ein Mitarbeiter des Raftingclubs in seinem Kajak vor uns her und sucht sich die wildesten Stellen, um uns Rollen und jede Menge akrobatischer Wasserstunts zu zeigen. Nach 1,5 Stunden Getose und Gehopse dürfen wir ins (kalte) Wasser hüpfen und uns freuen, dass keine der zuvor genannten Was-Wäre-Wenn-Fälle eingetreten sind.

Glücklich, getrocknet und erschöpft setzen wir uns wieder in unseren Bus und genießen das einschläfernde Geschaukel. Dieses sollte aber nur kurz andauern: Nach 20 Minuten Fahrt kommen wir an einer schmalen Schotterstraße an, von der aus ein steiler Weg nach oben führt – direkt in den Dschungel hinein. Also Wanderschuhe an und Mückenspray drauf. Willy verspricht uns, dass die Wanderung nur 40 Minuten dauert, allerdings ständig bergauf geht. Ich raffe also meine letzten Kräfte zusammen. Der Pfad führt durch ein dichtes Waldstück, geht vorbei an tollen Ausblicken auf das Gebirge und ist durchgehend steil. Die schwüle Luft erschwert den Aufstieg. So ist die Erleichterung noch größer, als wir nach rund einer Stunde in der Eco-Lodge – unserem Nachtquartier – ankommen. Die Wanderung hat sich gelohnt, die Aussicht ist herrlich! Wir sind umgeben von sattem Grün und blicken auf die umgebenden Berge. Die Luft ist erfüllt von Zikadengeräuschen – teilweise so laut, dass ich ich mich frage, wie groß diese Insekten hier sind.

Auf dem Weg zur Eco-Lodge
Auf dem Weg zur Eco-Lodge

Nur noch über die Brücke, dann sind wir bald da.
Nur noch über die Brücke, dann sind wir bald da.
Unsere Belohnung nach dem Aufstieg
Unsere Belohnung nach dem Aufstieg

Die Unterkunft ist sehr einfach gehalten. Die Gruppe übernachtet gemeinsam in einem Zimmer (leider ohne Moskitonetze), Duschen (mit kaltem Wasser) und WCs befinden sich abseits der Zimmer am Rand der Anlage. Um 19.00 Uhr versammelt sich die Gruppe am Speisetisch. Ein Stapel traditioneller Kleider gibt uns Anlass für eine muntere Fashionshow, ergänzt durch Flöten, ein Tamburin kaputte Rasseln und eine ungestimmte Gitarre.

Unser "Speiseraum" mit Ausblick
Unser “Speiseraum” mit Ausblick
Fashionshow mit Musikeinlage
Fashionshow mit Musikeinlage
Schangen-Tequila als Absacker
Schangen-Tequila als Absacker

Danach gibt es Abendessen (Reis mit Hühnchen), und Schlangen-Tequila (ja, mit echter Schlange drin). Dieser dient nicht nur als Digestiv bzw. Absacker, sondern soll auch ein junges Aussehen verleihen (sofern man ihn täglich trinkt). Gemischt mit ein paar Kräutern, Coca-Blättern und Muña bzw. Minthostachys soll der Tequila auch eine heilende, schmerzstillende Wirkung habe. So eine Art Klosterfrau Melissengeist auf Peruanisch.

Willy spendet einen Schluck des Tequilas “Pachamama”, der Mutter Erde, und bittet um gutes Wetter für den nächsten Tag. Fix und fertig geht es ab ins Bett – in der Hoffnung, dass mich in der Nacht keine Flöhe, Mücken oder andere, mir noch unbekannte Tiere heimsuchen werden.

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