Hablas español?

Die Neuankömmlinge beim Welcome-Dinner

Montag, 8.30 Uhr morgens: Ich sitze in einem kleinen Raum mit vier anderen Spanischschülern in spe und mache einen Einstufungstest. Beim Ausfüllen der Satzlücken rate ich größtenteils. Besonders interessant wird der Freitext: Beschreibe auf Spanisch, wie gut dein Spanisch ist, wo du es gelernt hast und warum du Spanisch lernen möchtest. Mein Aufsatz besteht aus exakt zwei Sätzen (in Pseudospanisch): “Ich spreche kein Spanisch. Ich denke, dass ich Spanisch schnell lerne, weil ich Italienisch spreche.” So richtig peinlich wird es aber erst im oralen Einstufungstest: Ein freundlicher Lehrer mit grauen Haaren und verschmitztem Lächeln stellt mir Fragen über Fragen, auf die ich mit meinem Namen, meiner Herkunft und sonst eher Ja oder Nein antworte.

Etwas später die große Erkenntnis: Ich komme in den Anfängerkurs! Gemeinsam mit drei anderen Studenten – Annette aus Deutschland, Paloma aus den USA und Chetan aus Indien – lerne ich bei Lehrerin Joyce das spanische Alphabet und die Aussprache der einzelnen Buchstaben. Es folgen erste Floskeln und eine Unmenge an Vokabeln. Wann soll ich die bloß alle lernen? Nach zwei Stunden Unterricht folgt eine kurze Pause. Danach geht es weiter mit Lehrerin Magda, einer temperamentvollen, bunt gekleideten und shoppingfreudigen Lady um die 50, die es einfach nicht glauben kann, dass Chetan 40 ist, obwohl er wie 25 aussieht. Viele Scherze folgen, die Stimmung ist locker und fröhlich. Wir lernen erste Grammatikregeln und dann ist die Doppelstunde auch schon wieder vorbei.

Kathedrale von Cusco
Kathedrale von Cusco

Um 13 Uhr stehe ich startklar im Innenhof der Sprachschule und warte auf meinen Guide. Gleich gibt es eine Citytour durch Cusco, die in meinem dreiwöchigen Sprachkurs- & Exkursionen-Programm integriert ist. Fünf Australier schließen sich an und mit einem Minibus fahren wir 30 Minuten durch den Stadtverkehr zum Hauptplatz – eine Distanz, für die wir zu Fuß zehn Minuten benötigt hätten. Zu Beginn geht es in die prächtige Kathedrale von Cusco (keine Fotos erlaubt), die eher einer Bildergalerie als einer Kirche gleicht.

Nächster Programmpunkt: Das Kloster Santo Domigo, auch Qorikancha genannt. Hier befand sich einst der Sonnentempel der Inka, der 1650 durch ein Erdbeben größtenteils zerstört wurde. Die Überreste benutzten die Spanier für den Bau eines Klosters – wohl auch, weil der Tempel als der heiligste Ort der Inka galt. Einige Räume blieben allerdings erhalten – so ist bis heute noch die außergewöhnliche Bauweise der Inka sichtbar: Große Steinblöcke wurden fugenlos über- und ineinander gesetzt. Die Form der Blöcke verjüngt sich nach oben hin, womit diese noch höher wirken. In den vielen Nischen standen einst kleine Statuen aus Gold.

Santo Domingo bzw. Qorikancha
Santo Domingo bzw. Qorikancha

Nach oben verjüngende Steinblöcke
Nach oben verjüngende Steinblöcke

Blick von Raum zu Raum
Blick von Raum zu Raum des ehemaligen Sonnentempels

Raus aus dem Kloster und zurück in das moderne Cusco: Unser Bus führt und raus aus der Stadt – wir starten eine Rundfahrt zu vier verschiedenen Inka-Ruinen, die ich hier kurz vorstellen möchte:

  • Q’enqo: Eine Tempelanlage, die in einen Fels gehauen wurde. Im Felsinneren befinden sich gemeißelte Treppen, Kanäle und eine Art Altar. Vor dem Fels liegt ein halbrunder Platz, der von einem hohen Stein dominiert wird. Mit viel Fantasie erkennt man in der Steinformation einen Puma – das Symbol für die irdische Welt, das Hier und Jetzt (weitere wichtige Symbole der Inka sind der Kondor für die transzendente Oberwelt und die Schlange für die Unterwelt).

Überreste der Puma-Statue
Überreste der Puma-Statue

Durchgang durch den Felsen
Durchgang durch den Felsen
  • Saqsayhuaman: Dieser komplexe Name wird ausgesprochen wie “Sexy Mama” (was nicht selten für einen Lachanfall im Bus sorgte). Diese Festung diente den Inka vermutlich als Repräsentationsort und Verteidigungsanlage. Neueste Forschungen weisen hingegen auf eine Nutzung als Tempel zur Anbetung der Sonne hin. Das Spezielle an der Anlage: Die in mehreren Ebenen angelegten Mauern aus großen, fugenlosen Steinblöcken bilden große Zickzacklinien. Eine Plattform auf dem Hügel bietet einen wunderbaren Blick auf Cusco.
Vor der Zickzack-Mauer von Saqsayhuaman
Blick auf Cusco nach einem Gewitter
Blick auf Cusco nach einem Gewitter
  • Tambomachay: Das “Bad der Inka” ist ein Inkaheiligtum zu Ehren des Wassers. Hier fließt Wasser, das direkt aus den umgebenden Bergen kommt, über die einzelnen Ebenen des terrassenförmig angelegten Tempels. Dank des komplexen hydraulischen Systems floss hier frisches, sauberes Wasser das gesamte Jahr über.
Blick auf Tambomachay
Blick auf Tambomachay
  • Puka-Pukara: Das Fort auf einem Hügel nahe Cusco diente zu Inkazeiten als militärisch wichtiger Stützpunkt – zur Beobachtung der Umgebung. Reisenden auf dem Inkaweg soll die Anlage auch für Zwischenstopps mit Übernachtungsmöglichkeit gedient haben.

Puka-Pukara mit dem alten Inkaweg im Hintergrund
Puka-Pukara mit dem alten Inkaweg im Hintergrund

Ausblick von Puka-Pukara
Ausblick von Puka-Pukara
Flauschiger gehts nicht!
Flauschiger gehts nicht!

Letzter Stopp meiner Cusco City Tour: der Besuch einer Alpaca-Kleidungsfabrik. Alpacas sind lamaähnliche Tiere, die allerdings ein bedeutend hochwertigeres Fell zur Herstellung von Kleidung haben. Derartige Kleidungsstücke (Westen, Ponchos, Pullover, Mützen etc.) kosten hier rund 50 bis 100 €. In Europa zahlt man dafür meist das Dreifache. Der Stoff (vor allem aber das behandelte Fell) ist so unglaublich flauschig, dass es mit schwer fällt mich davon zu lösen.

Zurück in der Sprachschule erwartet die Neuankömmlinge ein Welcome-Dinner mit “Lomo saltado”, einem typischen Gericht, das mich sehr an Geschnetzeltes (mit Rind, Gemüse und Reis) erinnert. Dazu gibt es  – natürlich – Kokatee und warmen Rotwein (also Glühwein). Mein erster Schultag geht damit sehr entspannt zu Ende.

Die Neuankömmlinge beim Welcome-Dinner
Die Neuankömmlinge beim Welcome-Dinner

2 Kommentare

  1. Ale aus Paris :) sagt: Antworten

    Anche se sei nel corso principianti, sono sicura che avanzerai velocissima, amica poliglotta!!! E sai che l’alpaca é il mio Lieblingstier!?! Haha! Buona continuazione tesoro!! :*

    1. Anna Tauschitz sagt: Antworten

      Ehehe sì lo spero tanto! Dovrei studiare di più!!! Come mai l’alpaca? 🙂 Cmq pure a me piace tantissimo!

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